Gesundheit

Gesundheit

Wie wir gestern so beisammen saßen und einander Gott und die Welt erklärten, über den Krieg in der Ukraine und die Verstrickungen des Herren Trump in die Affären des in 2019 verstorbenen Investment Bankers Jeffrey Epstein sprachen, da landeten wir irgendwann auch bei dem Thema Gesundheit. Nicht unbedingt, weil Maria Farmer ihre Wut auf Ghislaine Maxwell und Jeffrey Epstein nach langen Jahren abgetaucht in der Anonymität nicht mehr zurückhalten konnte und gleichzeitig den Kampf gegen einen Hirntumor und das Verschweigen des sexuellen Missbrauchs an ihrer 15-jährigen Schwester Annie und an ihr durch Epstein und Maxwell wieder aufnahm.

Das Alter als solches nagt an der Fassade, lauert einem auf und springt einen an mit ungewohntem Schmerz und versetzt Stiche. Die Gesundheit ist kein leichtfertig dahingesagter Wunsch zum Geburtstag, sondern ein gefährdeter vorübergehender Zustand. Bewegung allein und gesunde Ernährung sind keine Gewähr dafür, dass du morgen wieder aus dem Bett kommst oder dir nicht doch ganz plötzlich das Herz stehen bleibt. So kürzlich ein Freund verstorben, noch bevor er 60 Jahre alt geworden ist – ein Guter.

Männer bemühen für gewöhnlich etwas weniger häufig den Arzt, haben dafür aber umso größere Angst vor Untersuchungen und Diagnosen. Männer schaffen sich eine sportliche Ausstattung an und finden Gelegenheiten sich aus dem Haushalt herauszuziehen, um der strengen sich auferlegten Selbstwohldisziplin nachzugehen, aber ihre durchschnittliche Lebenserwartung bleibt zurück hinter der von Frauen. Ob das nun eine Schwäche ist, die mit dem verkümmerten Chromosomensatz des Mannes einhergeht oder aber auf den ausschweifenden Lebensstil der Männer, die aufreibende Jagd nach Anerkennung und Erfolg oder einfach nur die gegenüber Frauen erhöhte Bereitschaft Risiken einzugehen zurückzuführen ist, waren wir nicht in der Lage zu klären.

Mit zunehmendem Alter denken wir häufiger an unsere Gesundheit, sehen aber zu, dass wir nicht zu viel darüber reden, vermeiden das Thema lieber oder schieben es mit ein paar ironischen Bemerkungen liebevoll zur Seite. Wir reduzieren das Rauchen, fangen an unsere Schritte zu zählen und befassen uns mit Blutdruckwerten und Zuckerspiegeln. Dann schweifen die Gedanken wieder ab und wir erinnern uns der Kriege, dem Hunger, der internationalen Politik oder dem Untergang des Abendlandes, wenn wir nicht über Sportereignisse, Pferdestärken oder Wärmepumpen reden (die Männer halt).

Manchen ist es lieber wir diagnostizierten der Gesellschaft einen Mangel an Gesundheit und bezögen den Befund nicht auf uns selbst. Die Gesellschaft ist krank – ich nicht. Europa schwächelt. Die Wirtschaft leidet. Es fehlt an Kaufkraft und an Fachkraft. Der Teilzeitlifestyle senkt die Lebensarbeitszeit und die Produktivität. Die Krankenkassen und Pensionsfonds bluten, derweil die Anzahl der Nutznießer, der Rentner und Rentnerinnen, der von den großzügigen Leistungen schmarotzenden Müßiggänger und Krankenständler steigt. Nein – nicht ich. Die Gesellschaft ist gespalten und driftet weiter auseinander. Die Menschen gehen in die innere Migration und die Anzahl der Flüchtlinge steigt mutmaßlich weiter, weil die Politiker*innen – so wird behauptet – nicht liefern (Das Lieferkettengesetz auf der einen Seite und nicht liefernde Politiker auf der anderen, sind mir besonders liebgewordene Widerspruchspaare). Das Land krankt! Die Nation ist am Ende und kein Erlöser in Sicht. Ein paar Auserwählte, von Gottes Gnaden, Leistungsträger, erfolgreiche Macher*innen spült es nach oben oder an die Spitze der Gesellschaft, derweil die anderen sich vor dem bevorstehenden Ende fürchten dürfen. Sie häufen Werte an, wechseln die Branche oder das Portfolio, steigern ihren Reichtum und leisten sich einen Lebensstil, wo Vorsorge und Pflege, ein ansehnliches Gebiss und ein geschmiertes Knochengerüst Produkte sind, die erworben werden können. Gesundheit will gekauft sein und kennt Standards, Spezialisten und Qualitätskriterien. Mit Gesundheit wird viel Geld gemacht. Der Markt ist nur nicht für alle gleichermaßen zugänglich.

Einer Diskussion nach, die schon die alten Griechen zu führen verstanden, gäbe es einen Zusammenhang hinsichtlich des Gesundheitszustandes von Körper und Geist, wobei die Frage der Kausalität und Wechselwirkung bis heute nicht endgültig geklärt wäre. Fängt das Problem doch schon bei der Definition an. Je nach wissenschaftlicher Disziplin variiert der subjektive Gesundheitsbegriff nicht nur kulturell und historisch bedingt stark und in Abhängigkeit von Alter, Geschlecht, der Bildung und dem gesellschaftlichen Status. Einem naturwissenschaftlich verstandenen engen Begriff von Gesundheit, dem bio-medizinischen Modell nach, steht ein ganzheitlicher Begriff von Gesundheit gegenüber. Gesundheit wird sich in beiden Fällen vornehmlich auf das Individuum beziehen und als Zustand des körperlichen wie geistigen Wohlbefindens oder der physischen und psychischen Funktions- und Leistungsfähigkeit begriffen. Der Gesundheit steht die Krankheit entgegen. Ob allerdings Gesundheit unbedingt die Abwesenheit von Krankheit bezeichnet oder aber die Krankheit lediglich eine Nichterfüllung des als Benchmark angenommenen Normalzustandes darstellt – darüber hätten wir nicht nur gestern Abend noch lange diskutieren können.

Aus soziologischer Perspektive lässt sich Gesundheit als die Möglichkeit der körperlichen und sozialen Rollenerfüllung definieren. Weicht der Zustand in beträchtlichem Maße ab von dem für die Leistungserbringung erforderlichen Grad, geht der oder die lohnabhängig Beschäftigte Person zu einem Arzt und besorgt sich eine Krankschreibung. Ob diese Krankschreibung auch telefonisch erfolgen sollen dürfte, wird derzeit wieder etwas aufgeregter diskutiert. Entscheidend dabei wird sein, was für das Bruttosozialprodukt und den gesellschaftlichen Frieden zuträglicher ist: Der kurze Anruf in der Praxis oder der Besuch einer Sprechstunde, die im Wartezimmer verbrachte Zeit und der Aufwand in Abhängigkeit von der Entfernung, dem erforderlichen Transportmittel und den Opportunitätskosten – welche ärztliche Fürsorge konnte nicht erfolgen, weil die Zeit mit der Diagnose eines mehr oder weniger gewöhnlichen Krankheitsbildes zugebracht werden musste? Der Gesundheitssektor wäre in Deutschland dem Vergleich nach sowieso schon teuer und der Gesundheitszustand der Bevölkerung wie auch die durchschnittliche Lebenserwartung nicht signifikant besser als in den Nachbarländern – eher im Gegenteil. Ob das Erwirken einer Krankschreibung dem Wohlbefinden zuträglich ist oder nur eine weitere der vom deutschen Volk so sehr geliebten Kontrollen, um möglichen Missbrauch zu verhindern darstellt? Auch wieder so eine Frage, die ich mangels eigener Überzeugung dem Stammtisch überlasse.

Gesundheit ist ein hohes Gut. Wer gesund ist, mag sich glücklich schätzen. Wie aber mögen das Wohlbefinden und die Gesundheit in Verbindung zueinanderstehen? Wenn Gesundheit als Prozess auf einem Kontinuum verstanden wird, wie Zufriedenheit und Glück, wieviel Glück muss man dann haben, um gesund zu sein? Wie wohl ist mir, wenngleich ich zwar nicht ganz gesund sein sollte und der Alterungsprozess nicht ohne gesundheitliche Einschränkungen aber doch mit glücklichen Momenten einhergehen kann. „Es muss halt“ und „wir können nicht klagen“ sind die typischen Antworten von noch nicht in den Ruhestand entlassenen auf die Frage wie geht’s. Die anderen haben Schnupfen, Magen-Darm, Migräne oder Kinder. Viele leiden unter Schlaflosigkeit, Reizdarm, Beklemmungen. Und was derzeit bedenkliche Ausmaße annimmt, sind die Fälle erhöhten Blutzuckers und Adipositas – oftmals beides gleichzeitig. Übergewicht und Fettsucht belasten dann nicht nur die anderen, die Freundschaften und Mitreisenden, sondern auch die eigenen Gelenke und wer nicht gut zu Fuß ist, bleibt nicht nur zurück und kommt nicht mehr mit, sondern wird sich auch schneller etwas brechen.

Maßlosigkeit ist nicht gesund, lässt sich konstatieren. Was aber hält Menschen gesund und macht nicht krank? Singen, Tanzen, Spaß und Feiern wirken wie ein „Mehrfach-Medikament“ für Körper und Psyche und tragen zur Gesunderhaltung bei – Endorphine spielen dabei eine zentrale Rolle. Bewegung und Musik erhöhen die Stimmung und soziale Nähe fördert das Zugehörigkeitsgefühl. Ausdauernde Bewegung, der Workout im Sportclub und der Jazztanz stärken das Herz‑Kreislauf-System und die kognitive Leistungsfähigkeit. Studien weisen auf positive Effekte bis hin zur Senkung des Demenzrisikos hin. Singen verbessert die Atmung und kann das Immunsystem aktivieren, durch Steigerung des Immunglobulin-A-Spiegels in den Schleimhäuten, heißt es. Gemeinsames Feiern, Lachen, Musik und körperliche Aktivität, wie zum Beispiel beim Karneval reduzieren Einsamkeit. Einsamkeit ist Stress. Einsamkeit wirkt sich schlecht aus auf das Wohlbefinden. Die Gesundheit leidet unter Einsamkeit.

Wer es mit dem Feiern übertreibt und die Ausgelassenheit noch mit Alkohol und Drogen zu steigern sucht, der legt sich spätestens an Aschermittwoch ab, meldet sich krank und wird ein paar Tage benötigen, um seine Stimme wiederzuerlangen. So können gerade Endorphine auch ungewünschte Konsequenzen mit sich bringen. Die schmerzlindernde und angstlösende Wirkung verführt dazu, die körperlichen Grenzen zu überschreiten. Danach herrscht Leere. Oder es steigt das Bedürfnis nach Mehr, nach Höher, nach Weiter. Der Rausch, mit einer gesteigerten Ausschüttung von Serotonin und Dopamin einhergehend, verdrängt die Stresshormone wie Cortisol. Dem Rausch jedoch folgt der Kater. Ein bisschen Rausch soll gut sein – zu viel davon wird zu unerwünschten Effekten führen. Vorübergehende Belastungen wollen als normal betrachtet sein. Zu viel davon ist ungesund.

Bildung, Einkommen, Arbeitsbedingungen, Wohnumfeld und Umweltbelastungen beeinflussen die Gesundheit in besonderem Maße. Es korrelieren die Lebenserwartung und das Wohlbefinden mit der Wirtschaftsleistung einer Volkswirtschaft. Bedauerlicherweise geht mit dem materiellen Wohlstand auch ein gesteigerter Ressourcenverbrauch einher. Mehr Wohnfläche pro Person, mehr Energieverbrauch, mehr gefahrene Kilometer, mehr Warenumsatz, mehr Lebensmittel, ein erhöhter Fleischkonsum und immer mehr Verpackungen sind nötig, um die Standards zu halten und zu steigern. Hygieneanforderungen, Medikamente, Krankenhäuser und medizinische Fachkräfte sind Spitzenreiter bei der Produktion von Einwegverpackungen und Müll.

Bei der Verteilung von Risikofaktoren und chronischen Erkrankungen in Alters- und Sozialgruppen fällt auf, dass Menschen mit niedrigerem Bildungsgrad, geringerem Einkommen und belastenden Arbeitsbedingungen im Durchschnitt mehr Gesundheitsprobleme haben und eine niedrigere Lebenserwartung gegenüber dem bürgerlichen Mittelstand, über Superreiche und den Adel explizit sprechen wir hier bewusst nicht. Ältere Menschen sind am stärksten vertreten bei den chronischen Erkrankungen wie Herz‑Kreislauf, Diabetes, Arthrose und Demenz. Männer sterben häufiger an Herz‑Kreislauf-Erkrankungen und Lungenkrebs, Frauen leiden dafür häufiger unter diversen chronischen Schmerzen und Depressionen.

Für Kinder und Jugendliche sind akute Infektionen, Allergien und Unfälle typisch. Sich im Laufe des Lebens manifestierende psychische Störungen beginnen häufig schon im Jugendalter. Bei Erwerbstätigen kommen Rücken‑ und Muskelerkrankungen dazu und je nach Belastung und Kontext bilden sich psychische Störungen weiter aus. Bei immer mehr Arbeitstägigen kommt es zu Bluthochdruck und Übergewichtigkeit. Die Hochbetagten und Alten schließlich entwickeln Symptome von Demenz und anderen neurodegenerativen Erkrankungen. Es steigt die Notwendigkeit der Betreuung und professionellen Pflege.

Es fragte sich Antonovsky, warum ein Drittel der zwischen 1914 und 1923 in Mitteleuropa geborenen und zeitweilig internierten Frauen, davon Überlebende aus Konzentrationslagern, sich trotz der extremen Stressoren, denen sie während ihres Lebens ausgesetzt waren, in einem guten mentalen Zustand sahen. Und er führte dies zurück auf ein starkes Kohärenzgefühl, was einen entscheidenden Beitrag zur Gesunderhaltung leistet: Erleben, dass das Leben verstehbar, handhabbar und sinnvoll ist, geht mit besserer Gesundheit einher. Die Fähigkeit eines Menschen, die ihm gebotenen Ressourcen zu nutzen. Um sich gesund zu halten, kann je nach sozialem Umfeld und gegebener Umwelt ganz unterschiedlich sein und dazu führen, dass derweil eine Person krank wird, die andere gesund bleibt. Womit wir wieder bei der Frage der Veranlagung und der Determination angekommen sind. Oder wir uns überhaupt wenig um die Zusammenhänge Gedanken machen und das Leben eben nehmen, wie das Leben eben ist.

Die Kohärenz wird sich nicht von allein einstellen, sondern ein Produkt von Arbeit und Verstand sein. Arbeit wird erbringen müssen, wer nach Kohärenz strebt. In einer Welt der Dissonanzen, der Ungewissheiten und Veränderungen, der Gleichzeitigkeit und Vielfalt, ist Kohärenz konstant in Bedrängnis. Glauben, Werte, Harmonien, Grundsätze, Prinzipien, Leitgedanken und Wissen befinden sich auf dem Prüfstand. Informationen prasseln auf dich ein im Sekundentakt. Wenn ich mir die Ruhe vergegenwärtige, die ein Walter Benjamin auf Ibiza umschlungen hat, das Telefon beschränkt und das Internet gar nicht verfügbar. Ob er Radio gehört hat? Ferngesehen hat jedenfalls vor 100 Jahren noch niemand auf Ibiza, nehme ich an. Zeitschriften gab es in der Stadt und kamen auf dem Land nur mit Verzögerung an und Bücher wurden teuer gehandelt. Heute dagegen, mit TicToc und Instagram, YouTube und Podcasts überall, da wirst du entweder in einer Bubble gefangen, bist einem Algorithmus erlegen oder von Werbung verführt, bevor Kohärenz sich einstellen kann.

So wird suchen und forschen, selbst formulieren, denken und diskutieren erforderlich sein, um sich ein kohärentes Bild zu machen, die Farbauswahl zu treffen, die Hintergründe zu schärfen, die Perspektiven zu erfassen. Wohlbefinden ist immer eine Zahl auf einer Skala von 0 bis 10, Gesundheit ein Wert über dem Normalzustand und unter Berücksichtigung der verschiedenen Dimensionen. Zwischen der individuellen Bewertung „ich fühle mich gesund“ und der Einschätzung dritter „du bist ja krank“ können Divergenzen herrschen. Das macht Kohärenz nicht ganz einfach – weder für einen selbst noch als ein Individuum in einer Gemeinschaft, selbst wenn sich die Gemeinschaft grundsätzlich wohlgesinnt ist. Überhaupt ist der Sinn eine weitere, sehr zur Disposition gestellte Dimension.

Mit einer weiter wachsenden Weltbevölkerung und einem steigenden Verbrauch an als endlich bezeichneten Ressourcen, ist der Lebensstil eines den Maßstab setzenden Mittelstandes, nach derzeitigem Erkenntnisstand nicht mehr lange Zeit möglich. Wie lange das noch gut gehen kann und sich der Kollaps hinausschieben lässt oder sich verzögert, hängt vom Gesundheitszustand der Erde und ihrer Bewohner ab. Wie „krank“ die Welt ist, mag der sachkundige Rat an Ingenieuren und Ingenieur*innen befinden. Was die sozialen Medien anbelangt und die mittlere Aufnahmefähigkeit einer durch Aufmerksamkeitsdefizite geprägten Gesellschaft, so werde ich bis zum Beweis des Gegenteils davon ausgehen, dass der Notstand schon ausgebrochen ist und Verwirrung herrscht. Diese Verwirrung wirkt hochgradig destabilisierend und fördert die Unübersichtlichkeit. Die Diskussionskultur leidet, es wird aneinander vorbeigeredet und Scheingefechte werden geführt.

Auch ein Papst achtet auf seine Gesundheit, habe ich kürzlich erfahren. Nun wird ein Stab Ärzte nicht weit vom Vater jederzeit in Aktion treten können, wenn Bedarf wäre. Die prophylaktische Wirkung von Sport wird aber dem Papst nicht entgangen sein, wogegen die Begegnung mit einem Papst auf Skiern ein ungewöhnlicher Anblick bleiben wird. Tennis stellt dabei eine dem Papst angemessene Sportart dar, etwas unangemessen jedoch, den Papst beim Football oder Soccer zu erleben. „Wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem soll der gut sein?“ fragt der Radioprediger. „Gönne dich dir selbst“. Me Time, Work Life Balance und Burnout-Prophylaxe sind auch im spirituellen Kontext keine Fremdwörter mehr.

Zu viel Sport in den Nachrichten und im Fernsehen macht mich allerdings krank. Ich reagiere unmittelbar mit Ärger und der ist nicht gesund. Ich wundere mich über Familien, die Stunde um Stunde am Bildschirm verbringen, den Handballkämpfen und Skisprüngen, den Rodelschlitten und Tennistournieren folgend. Was ist das kollektive Bedürfnis dabei? Leistungssport, mir unbegreiflich wie sich Menschen darauf einlassen können, ihre Stärke und Schnelligkeit messen zu müssen und ihren Kampfgeist stets wieder unter Beweis zu stellen bereit sind. Wer hat das erfunden? Von der römischen Arena bis zu den Hungergames. Da sind mir die zweifelnden Philosoph*innen mit einem Glas Rotwein in der Hand und an der Pfeife saugend doch viel näher und erscheinen mir gesünder im holistischen Sinn, wenn wir die ganze Bilanz ziehen und den Ressourcenverbrauch und den gesellschaftlichen Impakt als Ganzes mit bewerten.

Zugegeben, es war ein langer Tag. Bad Bunny beim Super Bowl. Ein kranker Tatort und zu guter Letzt auch noch Tino Chrupalla zu Gast bei Caren Miosga. Was fällt dir da noch ein zum Zustand von Wirtschaft und Gesellschaft? Was die Aktienkurse am Montag zu sagen haben oder ob sich Trump und Putin auf einen für die Ukraine vorteilhaften Deal zu verständigen in der Lage sein werden? Wovon machen wir derzeit eigentlich unser Glück abhängig und was sorgen wir uns um unsere Gesundheit?

Ab kommender Woche kann gefastet werden. Mit dem Aschermittwoch fängt in diesem Jahr in etwa auch der Ramadan an. Und bis Ostern ist es dann nicht mehr so lang. Viele schließen sich uns an. Die Tage werden länger, die Sonne schickt tröstende Strahlen auf die Erde herab. Das Intervallfasten soll reinigende Wirkung haben und das Fasten lehrt, über einen beschränkten Zeitraum hinweg, Verzicht zu üben. Das hat heilende Wirkung. Denkt daran!