Wir

Wir befinden uns in einer Zeit, die von Wandel und Veränderung geprägt ist. Dabei gibt es Augenblicke. Wir sehen Schönheit, dann, wenn wir zu dem werden, was wir sind. Und wir vom Sein reden. Ankommen. Da sind. Die Aufmerksamkeit erhöhen und hören dann. Gefallen finden oder nicht, was unsere Augen erblicken und mögen oder hören mit unseren Ohren. Unser Ich kommt an und dringt hinein in das uns umgebende Chaos von Stimme gewordener Herzensführerschaft. Der Raum schwillt an und, kann das sein? Wir wohlfühlen uns ganz leistungsfrei aber schwelgend im Gemeinschaftstaumel. Von Hoffnung beseelt und heulend aber heiter, denn erkennend den tieferen Wert des Rituals. Aus der Theorie des kommunikativen Handelns wird eine wahre Wissenschaft der Technik des ich spreche von mir. Leitungslos, kabellos, anstandslos. Und wenn du bei Los ankommst dann ziehe €1.000 Grundeinkommen ein. Damit auch du es gut hast so wie wir. In unserer Sehnsucht nach Gemeinschaft bilden wir uns und lassen von Habsucht, Nesselsucht, Schokofahrt uns vorbehaltlos ein auf den Prozess – ohne Bier und Algorythmen. Ein Drittel der Menschheit hat keinen Zugang zu Wasser und am 18. Juni 2019 wird Jürgen Habermas 90 Jahre alt.

Wir, was wär‘ das ohne uns? Wo wir doch mit dabei sein sollen und wollen, wenn sich was bewegt und wir teilhaben können an der großen Transformation. Wo Glaubensbilder zerspríngen und die Beine schmerzen. Wo Luther statt QiGong weitere beschwerliche Reisen auf sich nimmt um Seelen zu retten während auf den Straßen die Bürger nach Wohnraum rufen. „Ich übe das Recht aus, nicht hineinzupassen. Das ist eine andere Art, zu sagen: Ich übe mein Recht auf Einsamkeit aus. Wer ich bin, soweit wir das überhaupt über uns selbst wissen können, geht niemanden etwas an, bestenfalls nur meine Freunde und Lieben, vielleicht meine Leser*innen. Aber auch vor denjenigen, mit denen wir abends unser Bett teilen, können und werden wir unsere Geheimnisse haben“. Impuls erleben. Man wird sich doch mal gehen lassen dürfen. Die Schmerzen kommen früh genug. Das Leid holt uns ein. Was soll ich da in der Runde klagen oder mich mit irgendwem anlegen wollen. Welcher Verhärtung spüre ich nach und welches Ich kann dem Wir dienen? Transformation beginnt bei mir selbst. Nicht bei dir. Du kannst doch machen was du willst. Aber gelingt mir der Schritt? Heute noch oder erst morgen. Das tägliche Mühen und Begehren gegen die Verhärtung, die Übung im Loslassen, die Bereitschaft zur Erneuerung. Im Rückwärtsgang mit Augen zu oder konzentriert auf das Morgen, horoskopisch, kristallin. Die Zeitenwende fest im Blick, kaleidoskopisch mehrdimensional.

Im geschützten Raum herrscht Waffenruhe und Gewaltlosigkeit. Statt Rock’n’Roll ruft das Glöckchen zur Andacht. Der Reim erfüllt die Luft, sollen die Fenster geschlossen bleiben, damit die Achtsamkeit steigt. Draussen wird gemordet und gejagt, vergewaltigt und gefoltert. Hier bemühen wir uns Frieden zu wahren, Gemeinsames zu teilen, unseren Atem zu spüren und unsere Körper wahrzunehmen. Wir ringen nach Gemeinschaft und dem kollektiven Wir, ja wo ist es denn geblieben? In Anbetracht eines Feindes lässt sich Kameradschaft entfalten, doch in der Leere des Raumes sehnt sich das Wir nach Beziehung und Anerkennung, Gesehenwerden und Unterstützung. Wenn Aufgaben anstehen, dann packt das Volk etwas an. Vier Milliarden Menschen leben noch immer ohne sanitäre Einrichtungen, derweil wir uns um die neue Orientierungslosigkeit im Überfluss Sorgen machen. Die Zukunft will uns schon heute haben und nicht die Vergangenheit, die uns einholt oder gefangen hält. Raus aus der Komfortzone und freilegen der schöpferischen Kraft, lautet der Ruf. Natürlich ich. Natürlich in Beziehung. Worteklau, zitiert einmal: „Als in der Belegschaft 1968 über den Einmarsch in die Tschechoslowakei abgestimmt wird, hebt auch Ljudmila Petruschewskaja, um den Lebensunterhalt ihrer Familie nicht zu gefährden, die Hand bei „dafür“. Dazu schreibt sie: In diesen schweren Zeiten, als man auf Versammlungen die Hand heben musste, sagte ich zu mir: Wir sind Undercoveragenten in einem feindlichen Land. Das Komischste war, dass es unheimlich viele von diesen Undercoveragenten geben musste, fast das ganze Land war undercover“.

Und wieviel davon ist wahr? So ganz unter uns. Unsere Gemeinschaft und der Prozess seiner Bildung, ob Nation oder Heimat, Wohnprojekt oder Quartier, ist Dialog und Handel. Wer handelt mehr und hat Erfolg dabei? Wer wird gehört? Weil die Stimme wohl klingt oder der Kopf richtig denkt? Wer darf Leitung übernehmen und wem vertraut die Gruppe nicht? Wollen wir alle es wagen uns gegenseitig und gleichzeitig zu führen. Hören wir auch gut zu und sind wachsam, emphatisch genug und auch nicht zuviel. Erzeugen wir Angst um uns herum, dabei war das gar nicht die Intention. Wollen wir beeindrucken oder einfach nur nicht gestört werden in unserem Wohlsein, dem Dasein, der Stoffwechselei. Lass doch immerfort die Sonne scheinen und ein frisches Lüftchen uns ins Gesicht wehen, die Kinder liebevoll miteinander im Sandkasten spielen und die Blumen blühen. Ich will nur rüber retten die weisen Worte in das Morgen. Es ist mir gleich, ob es die Meinen sind oder die der Anderen. Am Ende sind wir doch alle gleich und ich bleibe weitestgehend im Verborgenen. Der Garten ruft. Ich muss jetzt gehen.

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