Im Sommer blühen Blumen auf dem Acker und in den Gärten. Wenn genügend Wasser vorhanden ist, dann hält die Freude etwas länger an. In diesem Jahr ist laut Ansage im Radio noch nie so wenig Regen gefallen, wie jemals zuvor, seitdem die Niederschläge gemessen werden. Bist du zu lange im Urlaub unterwegs gewesen, dann kann es gut sein, dass dein Garten nicht besser aussieht als eine Katze, der du vergessen hast, Futter zu geben. Das Sommerloch lässt grüßen. Ob Parlament, Behörde, Bauvorhaben oder Bühnenprogramm – kann sein, dass sich nichts tut und wer Familie und Kinder hat und nicht gerade zu knapp bei Kasse, der wird den Flug schon gebucht haben oder packt gerade die Taschen. Die Flucht vor dem Alltag ist wieder angesagt, natürlich immer nur die, die es sich leisten können, der Mainstream, die Bourgeoisie, das Bürgertum. Dabei könnte es gerade jetzt so schön sein, daheim zu sein, die Ruhe zu genießen, den Pflanzen beim Wachsen und der Reife zuzuschauen, oder aber wie Doris Akrap empfiehlt: „Im Unterschied zum Dezember lässt es sich im Juli hervorragend shoppen, da sich in den Geschäften kaum jemand aufhält. Jedenfalls solange man eines findet, das nicht wegen Ferien oder Umbaus geschlossen ist“.

Trotz gestiegener Spritpreise und maroder Infrastruktur, trotz Konjunkturflaute und der steigenden Anzahl von Angeboten zur Frühverrentung, trotz Klimakatastrophen wo immer man hinschauen mag, an der Atlantikküste, in der Antarktis, der Adria und den Antillen, die Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Wetterereignis sind unbestreitbar. Mag der Mensch durch seine wachsenden Ansprüche an die Bequemlichkeit, an Abwechslung und Genuss auch nur einen kleinen Anteil daran haben, dass sich in den Weltmeeren Müll sammelt, Wälder weiter verschwinden, sich Abgase in der Atmosphäre anreichern, im Urlaub will das Vergessen sein, sucht der Geist Erholung, muss ein Reiseziel gewisse Qualitätskriterien erfüllen und der Abstand zur gewohnten Umgebung kann nicht groß genug sein. Schließlich will man nach der Sommerzeit nicht als Einzige dastehen, die nichts zu berichten hat, Bilder zeigen, Rezepte austauschen, von den Eigenarten der Menschen anderer Kulturkreise berichten und Anekdoten erzählen. Die saisonalen Migrationsströme steigen auf ihr alljährliches Hoch und wollen gefeiert werden, von der Tourismusbranche einerseits, aber auch den Branchen, die Reiseausrüstungen anbieten, Versicherungen abschließen, Verpackungen herstellen und auf den Energiemärkten ihre Gewinne sichern. Die Deutsche Bahn hat mal wieder Gewinne verzeichnet, auch wenn die Züge in der Mehrzahl nicht pünktlich fahren. Wer sich aber das Autofahren nicht mehr leisten kann, der nimmt es mit den Fahrplänen auch nicht mehr so genau.

Wo die Klage über die steigenden Temperaturen und die Unvorhersehbarkeit von extremen Wetterereignissen im Widerspruch zum Handeln stehen. Kein Bauer und verantwortlich denkender Mensch, würde im Sommer sein Vieh und seine Gärten im Stich lassen, um sich am Strand oder auf einer Kreuzfahrt zu vergnügen. Die Zeiten als die Kinder schulfrei bekamen, um den Eltern im Sommer auf dem Feld zur Hand gehen zu können sind in Vergessenheit geraten. Stattdessen klagen wir kollektiv über Hitzewellen, um dann nach Spanien oder Griechenland zu fliegen, wo es mit großer Gewissheit regelmäßig noch heißer sein wird als zuhause. Wir nicht! Es sind immer nur die anderen. Wir machen Fahrradurlaub oder sind mit dem Camper unterwegs, wollten schon immer mal Kanada erleben oder die skandinavischen Fjorde sehen. Uns eine Auszeit gönnen, wenn nicht gleich ein Sabbatical, Abstand bekommen vom stressigen Alltag, von dem Hamsterrad, dem Bullshit-Job, dem Broterwerb, raus aus der Stadt und hinein in die Natur, mit Gaskocher und Powerbank, Reisepass und Sonnenbrille. Lebensversicherung. Reiserücktrittsversicherung.
Die Welt ist gut, mal abgesehen von ein paar Konflikten, die hier und da noch nicht zu Ende ausgetragen, wo noch ein paar Drohnen vom Himmel geschossen werden müssen und ein Krankenhaus im Notbetrieb am Laufen gehalten wird. Die Anzahl der Hungernden ist im vergangenen Jahr auf 645 Millionen gefallen, was als Fortschritt gewertet werden will, auch wenn es noch immer 7,8% der Weltbevölkerung sind, gerade achtmal so viele Menschen wie in Deutschland leben, inkl. der Migrant*innen, und es sich statistisch gesehen auf dem afrikanischen Kontinent um jede fünfte Person handelt. Ein paar haben es heute geschafft von Marokko nach Ceuta die Grenze zu überqueren. Ein Viertel der Menschheit lebt derweil, so schildert es der Welternährungsbericht 2026, in moderater oder schwerer Ernährungsunsicherheit. Das bedeutet, dass sie keinen regelmäßigen Zugang zu ausreichender Nahrung haben oder zeitweise sogar einen ganzen Tag ohne Essen auskommen müssen. Jeder vierte Mensch hat zu wenig zu essen. Das ist nicht gutbürgerlich, und bei allem Überschuss und vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Übergewicht statistisch gesehen schon seit ein paar Jahren als größere gesundheitliche Herausforderung für die Menschheit gesehen wird als der Hunger, ein Skandal. Ein Thema für das Sommerloch und ein Gruß an alle, die sich gerade die Angebote von Netto, Edeka, Porta, Penny, Trinkgut, Futterhaus, HIT, Lidl, Aldi oder XXXLutz-mein Möbelhaus anschauen. Bananen 1 Euro pro Kilo, eine Wohnlandschaft für €799, 19 Euro für ein Kilogramm Rindfleisch aus deutschen Landen, 5 Euro für ein Kilogramm Nassfutter für Hunde, 4 Euro für den Sekt, €3,- für ein Pfund Kulturheidelbeeren und die Milka-Schokolade, mehr Zucker als Kakao, für 1 Euro pro 100 Gramm. Im Übrigen sind es Frauen die überproportional von Ernährungsunsicherheit betroffen sind. Zudem leidet inzwischen mehr als jede dritte Frau im Alter von 15 bis 49 Jahren an Anämie. Das aber alles nur ganz nebenbei, derweil wir uns mit der Klimatisierung unserer Schlafzimmer befassen, Sandsäcke in PVC verpacken, um unser Eichenparkett vor Hochwasser zu schützen.

Seit ein paar Tagen machen wir uns Gedanken darüber, was wir als bürgerlich bezeichnen, wovon wir uns gerne distanzieren möchten, was wir an uns beobachten, was uns erschreckt und wovor wir gerne davonlaufen würden. Die wohltemperierte Badewanne, der zweimal pro Monat hygienisch sauber gewischte Kühlschrank, das Waschmittel aus der Werbung, die Hausrats- und Lebensversicherung, organisierte Reisen, Farbkonzepte für Wohnungen, Deko auf Tischen, gemachte Betten, Nesting-Partys, Junggesellen-Abschiede, der „wohlverdiente Ruhestand“, das Camping-Mobil, das beinahe abbezahlte Eigenheim, das Opern-Abo, das Nagelstudio, Facelifting, Kreuzfahrten und Toto-Lotto. Nicht zu vergessen das Schnitzel mit Kroketten und gemischtem Gemüse aus Erbsen, Baby-Karotten und Blumenkohl. Die Liste wird immer länger und die Betroffenheit nimmt zu.
Was heißt aber eigentlich bürgerlich oder bourgeoise? Zum einen bezieht es sich auf den Stand einer Person, der oder die Wahlberechtigten eines Staates oder einer Gemeinde, also die Gesamtheit der Einwohner mit bestimmten Rechten und Pflichten. Historisch gesehen steht es für eine soziale Schicht zwischen Adel und einfachem Volk, geprägt von Besitz, Bildung und Werten. Das Bürgertum als solches, ist geprägt von den Verhaltensweisen, Einstellungen oder Lebensstilen dieser spezifischen gesellschaftlichen Gruppe. Nicht bürgerlich sind dagegen die Genossen und Genossinnen, die Handwerker und das fahrende Volk (Nomaden), wer weder über eine eigene Immobilie oder eine Manufaktur verfügt, also keine anderen unmittelbar beschäftigt, sondern mit anderen zusammen etwas schafft und formt, Hand mit anlegt, statt anderen dabei zuzusehen, wie sie Straßen und Häuser bauen, Gärten bewirtschaften und Lebensmittel produzieren.
Wenn am vierten Tag des seit 1909 erstmals veranstalteten Nijmegen-Marsches, dem in den Niederlanden als de Vierdaagse bekannten Großereignis, die erfolgreichen Teilnehmer*innen in der Via Gladiola einlaufen, dann sind sie, je nach Alterskohorte und Herausforderungsstufe, viermal 30, 40 oder sogar 50km marschiert. Am 3. Dienstag im Juli kommen in Nijmegen jedes Jahr tausende Menschen zusammen, um sich 4 Tage lang gemeinsam dieser Strapaze auszusetzen. In den Coronajahren fiel das Großereignis vorübergehend aus. Und im Jahr 2006 wurde zum ersten Mal in der Geschichte der Marsch, wegen zu großer Hitze schon nach dem ersten Tag abgebrochen, um nur zehn Jahre später, in 2016, ebenfalls wegen der großen Hitze, den Marsch auf 3 Tage zu verkürzen. Die Gladiole als Symbol für Kraft und Ausdauer, Durchsetzungsvermögen und Überwindung von Strapazen, wurde im alten Rom, den Helden als Zeichen der Achtung und Wertschätzung überreicht. Vom Ursprung her kommt die Gladiole, zur Familie der Schwertliliengewächse zählend, aus Südafrika. Heute ist sie in verschiedenen Züchtungslinien auch in Nordeuropa in Gärten vertreten und wird für den Verkauf in großem Maßstab angebaut. Alljährlich im Juli säumen Gladiolen die Straßen von Nijmegen und sind fester Bestandteil des Festes, zu dem neben den 45.000 mit Marschierenden, geschätzte 1,5 Mio Menschen in die Stadt Nijmegen kommen und diese für eine knappe Woche in eine lärmende Flächenarena verwandeln. Von zahllosen Bühnen und von Balkonen aus wird beschallt, derweil Blaskapellen im Gleichschritt durch die Straßen ziehen. Ein Aufzug, der dem Karneval oder der Love-Parade in nichts nachsteht und nur entfernt die Ursprünge des militärischen Marsches erahnen lässt. So darf sich das Ereignis heute als völkerverbindend verstehen, mit Militärpräsenz aus vielen Landen und unter einer geeinten Flagge, getragen von Freude und großem Hurra und nur entfernt daran erinnernd, dass es letztendlich um Stärke, Kraft und Durchhaltevermögen geht. Die Kolonialzeit ist vergessen, so auch die Kriege, die in den vergangenen 100 Jahren geführt wurden oder noch heute geführt werden, den Wohlstand der Industrienationen verteidigend, derweil indigene Völker immer weiter an den Abgrund gedrängt werden und die Subsistenzwirtschaft, das ursprüngliche Einssein mit der Natur, die Wertschätzung des Lebens als solches, verblasst. Wer sich nicht auf zwei Beinen halten kann und kein Bedürfnis verspürt über mehrere Tage lang enorme Mengen an Kalorien zu verbrennen, nur um abzutauchen in einem Höllenlärm und Massenevent, getragen von Dezibel und freiwilligen Helfern und Sicherheitskräften, darf sich fragen, wozu er oder sie gut ist.

Dem Dilettanten und Anarchist, dem das Bürgerliche Angst macht, wer sich nicht zur Klasse der Besitzenden und Erfolgreichen zählen will oder kann, dem ist der Zugang nicht einfach gegönnt. Man muss dafür kein Ausländer sein, um nicht zu verstehen. Es reicht auch, sich weder Pommes noch Bier leisten zu können, um am Rand zu stehen und das Feiern zu vergessen. Während hunderttausende junge Menschen, adrett gekleidet, rollige Frauen und geile Männer, jubelnd und jauchzend durch die Straßen ziehen, sammeln Alte und Gebrechliche tapfer und unbeachtet, Dosen und Plastikbecher, um sie später gegen kleine Beträge Bares einzulösen und ihre spärliche Rente aufzubessern. Was ein gutorganisiertes Großevent nicht gleich erahnen lässt, ist die Tatsache, wieviel Volk am Spaß nur sehr beschränkt Teilhabe reklamieren kann. Die Preise sind nicht zu verachten und verlangen, über ein bürgerliches Einkommen zu verfügen oder aber von irgendwelchen Mäzenen großzügig alimentiert zu werden.
Der Unterhaltung dienen, mögen Volksfeste, Pützchens Markt, Rhein in Flammen, das Oktoberfest, allemal und den Blick auf die steigende Armut verwischen. Ob in den Niederlanden der Wohlstand gerechter verteilt ist als in Deutschland, mag die Wissenschaft besser beurteilen können, als ein erfolgloser Teil der intellektuellen bildungsbürgerlichen Elite, dem auch aus rechten Kreisen beigepflichtet wird, wenn er sich gegen die Eliten wendet. Vorsicht, arme Menschen werden vor allem aus konservativen Kreisen aber auch von anderen Parteien der Mitte, als soziale Last oder Gefahr konstruiert. „Der Punkt ist, dass gerade in Zeiten kapitalistischer Krisen die bürgerliche Herrschaft in faschistische Politiken umschlägt, quasi als Krisenregulation. Und das ist auch heute so.“ (Vanessa E. Thompson, Soziologin).
Allein in Schleswig-Holstein erwirtschaftet der Tourismus einen Bruttoumsatz von über 10 Milliarden Euro, Tendenz steigend. Die Tourismusstrategie sah bis 2025 ein Wachstum vor mit einem Beitrag von rund 6 Prozent zum Volkseinkommen und mit einer Zahl von Arbeitsplätzen in Höhe von über 160 000. Jede Saison schwemmt mehr Besucher*innen an und den Umsatz und den Konsum in die Höhe. Tourismus regt die Projektentwickler und Marketingstrateg*innen an, schafft Arbeit und Einkommen und das Steueraufkommen wird begrüßt durch die strapazierten Haushalte der Kommunen. Der Unterschied zwischen Mallorca und dem Timmendorfer Strand ist marginal: Die Mieten und Immobilienpreise steigen, die Touristen bestimmen das Stadtbild und die Märkte, Alteingesessene werden verdrängt. Nur dass in Mallorca sich eine wachsende Gruppe von Menschen lautstark artikuliert und zu wehren beginnt, von Timmendorf und Sylt ist mir davon bislang weniger bekannt.
Dem Kapitalismus entfliehen und sich der Digitalisierung enthalten, mag als Option gelten und doch werden letztendlich nicht mehr als 2-5 Prozent es schaffen, sich gänzlich dem Verwertungs- und Entwertungskreislauf zu entziehen. Zurück aufs Land, mit den eigenen Händen im Boden wühlen, auf Zahnersatz verzichten, kein schmerzendes Hüftgelenk ersetzen, niemals Googeln oder Fotos eben mal teilen und Kurznachrichten verschicken, wer will das wagen? Stattdessen lassen wir uns ein auf Online Banking, die digitale Patientenakte, Wero, Paypal, Amazon und X. Das Leben ist angenehmer mit Internet als ohne. Die KI nimmt mir das Suchen ab und lässt mich etwas finden bevor ich überhaupt wissen konnte, dass ich es bräuchte.

Da steht dann ein Krieger mit seinem Speer in der Landschaft und betrachtet das ausgetrocknete Land, wo keine Antilope mehr weit und breit zu sehen ist. Die Regentänze haben keine Niederschläge gebracht, die Temperaturen steigen. Das Wissen der Vorfahren taugt heute nicht mehr zum Überleben. Der Kampf ist ein hoffnungsloser geworden, gegen die Siedler, die Kolonisatoren, die Projektentwickler und Makler. Die Staaten haben das Land in Besitz genommen und die Politiker sich erdreistet, die einmal enteigneten Flächen zu verkaufen an internationale Investoren. Derweil sich schlecht organisierte und mit geringen finanziellen Ressourcen ausgestattete Nicht-Regierungs-Organisationen für die Rechte indigener Völker einsetzen, buchen wir unseren nächsten sozial-verträglichen und nachhaltigen Urlaub, um auch noch einen Löwen, einen Walfisch oder eine Robbe zu Gesicht zu bekommen und in einem schlichten Beduinenzelt, einer Jurte oder einem Iglu übernachten zu dürfen. Der Rang-Rover pflügt sich durch die Dünen, der Speisesaal ist klimatisiert. Auf den Tischen stehen Gladiolen und erzählen vom Sieg. Auf dem Siegeszug sind nicht nur die Tapferen, sondern auch die Rücksichtslosen, die Getrieben, deren Hunger nach Anerkennung und Mehr nicht gestillt werden kann.
Die einen lassen sich treiben und ergeben sich dem Spaß und dem Gejohle, fallen ein in die ausgelassene Stimmung und können es sich gut gehen lassen in der Menge, im Sausen und Brausen, das ringsherum erschallt, einlädt, um mitzumachen, den Rhythmus aufzunehmen, zu klatschen und zu tanzen, angefacht durch Bässe, Trommeln und Trompeten. Im Rausch lässt sich dann vieles noch viel leichter genießen. Die anderen bleiben dem Spektakel fern, weil sie entweder noch nie davon erfahren oder kein Bedürfnis verspürt haben, sich darauf einzulassen. So verpassen wir vieles, was wir gerne studiert hätten bevor alles zu Ende ist und uns keine Gelegenheit gegeben war, es zu erleben. Sind wir aber Teil davon, dann sind wir angehalten, darüber nachzudenken, auch wenn uns mehr Fragen bleiben als sich Antworten einstellen auf die Frage, was mache ich eigentlich hier und wie bin ich hierhergekommen? Wie kann es sein, dass ich die Gladiole in der Hand halte und nicht den Speer? Wieso trinke ich Bier derweil anderswo die Flammen wüten und warum fährt ein junger Mensch mit einem Lieferwagen hinein in eine Menge von Menschen mit der Bestimmung sie zu töten?
Es ist Sommer und die Blumen blühen. Die einen vereisen und die anderen flüchten vor Hitzewellen, Hagel und Stürmen. Zwischen Zeltplatz und Notunterkunft, Ferienwohnung und Evakuation liegen bisweilen nur wenige Augenblicke. Die Versicherung kann uns davor nicht schützen, vielleicht nur einige Folgewirkungen abdämpfen. Aber Schuldige zu suchen ist ein beliebtes Wirtschaftsmodell bürgerlicher Gesellschaften, die offensichtlich nur eine geringe Bereitschaft zeigen, sich auf ein Glücksspiel einzulassen und die Konsequenzen ihrer Maßlosigkeit zu tragen, mit der sie die weniger großzügig ausgestattete Mehrheit der Weltgemeinschaft systematisch auszugrenzen sich erlauben und an den Grenzen zurückzuweisen. Mit Gladiolen beglückwünschen wir unsere Helden und feiern das Durchhaltevermögen derjenigen, die große Leistungen vollbringen. Wir haben gelernt, starkes Eisen zu schmieden, und uns zu organisieren, Maschinen zu programmieren und die Waffen zu produzieren, die dem Erhalt einer sich als freiheitsliebend bezeichneten Gesellschaft dienen und sind doch nicht mehr sind als eine auf Konsum und Genuss, Produktion und Verbrauch ausgerichtete Nationalwirtschaft.