Sportfabrik

Schweisstreibende Gesunderhaltung. Regelmässige Schwitzkur. Bleibt einem nicht erspart, wenn man in die Jahre kommt. Und weil einem als Mitglied des Clubs regelmäßig Beträge vom Konto abgebucht werden, weiß man, dass man was tun muss. Gründe gibt es aber viele: Die Sanfte Haut nach der Sauna, die wohlige Wärme von ganz Innen heraus danach. Das Ausruhen und Lesen zwischen den Saunaaufgüssen, die Gedanken, die einem durchs Hirn fegen beim Schwitzen auf dem Crosstrainer. Und natürlich auch die Steigerung der Anzahl von Ruderschlägen pro Minute, die Dauer, die geleisteten Watt. Was für ein erhebendes Gefühl. Und wie das Fett wegschmilzt und der Bauch sich strafft. Kraft und Ausdauer. Ohne sich schmutzig zu machen, nichts produzierend, keine Fortbewegung, nur elitärer Stillstand.

Eigentlich hat man beim Fittness Lautsprecher in den Ohren und hört Musik oder lässt sich ein Buch vorlesen. Ganz gechillt sich seine eigene kleine Welt erschaffen. Das leise im Hintergrund säuselnde Radio ist sowieso nicht zu hören, gleicht eher einem Hintergrundrauschen. Keine Information zu den neuen Fußballergebnissen oder Pokalen, keine Wetternachrichten zu verstehen. Da hat man besser seinen eigenen Kanal eingestellt, wenn einem nach Unterhaltung ist und sich nicht einfach mal 30 Minuten am Stück nur so vor sich hin schnaufen und in die Pedale treten möchte. Für Unterhaltung ist im Fitness-Centre nicht gesorgt. Eher noch für Hygiene. Nach Nutzung der Geräte reißt man ein Papiertuch aus einem Spender und gibt ein paar Spritzer eines Desinfektionsmittels darauf. Damit wischt man alle Griffe, den Sitz und den Display der Geräte, die man benutzt hat, ab und hinterlässt den Ort keimfrei so gut es geht.

Palmen. Gummibaum. Farn. Groß dimensionierte Gesichter mit sportlich gekleideten und gut geformten Frauen lachen von den Wänden. Hinweise auf Energy-Drinks und Kraft-Foods erweitern die Sinne. Die Sportlerinnen und Sportler haben in der Regel schon mehr Jahre gesehen als die Pin-Ups, haben faltigere Gesichter und weniger knackige Hintern als die dekorativen Gestalten an den Wänden. Das spornt an, lockt und steigert den Willen. Vielleicht kommt man doch noch wo an am Ende einer langen Trainings-Geschichte. Wir lassen uns durch Sport-Coaches beraten und erhalten alle unsere ganz persönlichen Trimpläne mit Übungsanweisungen und der Anzahl von Wiederholungen, die uns gut tun sollten. Man fühlt sich gut aufgehoben. Es stinkt nicht, trotz des vielen Schweißes der läuft und der strapazierten Körper die schwitzen.

Ganz besonders mag ich das Krafttraining. Wenn Gewichte gestemmt werden und das Spiegelbild einen schmerzverzerrt mit zusammengebissenen Zähnen anstarrt. Das stimuliert, treibt einen an, bringt die Lust am Leben, die man im Strassenverkehr doch nur verlieren kann, wieder zurück. Da ist man Mann, stolziert mit einem Gewicht in der Hand am angewinkelten vor sich ausgestreckten Arm durch den Raum. Es brennt der Bizeps und schwillt die Brust. Statt Zementsäcke schleppen und Gräben ausheben mühe ich mich heute mit Eisengewichten ab und trage sie durch das Studio, stemme sie in die Luft und halte sie am langen Arm. Das mag sich unsinnig anhören, macht aber Sinn. So bleiben wir fit, pflegen unseren Körper und bringen das Blut in Wallung. Auf dass die Gelenke geschmiert werden. Ein paar Jahre noch. Noch ein paar Jahre. Wir tun etwas dafür. Es kostet. Zeit. Geld. Und ein Wille gehört dazu. Regelmäßiges Training. Körperkultur. In einer alternden Gesellschaft, die etwas für sich übrig hat. Die CO² Bilanz wird wahrscheinlich besser sein, als wenn man in den Urlaub fliegt, zum Trekking am Baikalsee und Skifahren in den Alpen, Surfen in Porto Alegre und Tauchen auf Hawai. Wir können uns Urlaub gar nicht mehr leisten seitdem die ganze Familie ins Sportstudio geht.

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