Lernen ist Chefsache

Ist nicht zu leugnen. Ist wahr. Gelernt wird in den oberen Etagen, in den großen Büros. Wo Übersicht herrscht und Kreativität. Wo delegiert werden kann und Entscheidungen getroffen. Wer zahlt gibt an was gelernt werden soll. Führung. Unternehmenskultur. Kommunikation. Verfahrensreformen, Qualitätssicherung, Effizienz. Wir pflegen die Leitkultur und sind offen für Veränderung. Wir sind gemeinsam auf ein Ziel fokusiert und lassen uns gerne orientieren von wohlmeinenden Führungskräften, die Ziele mit uns vereinbaren. Dabei lernen wir immer ganz viel. Zum Beispiel wie man nicht ausbrennt, obwohl einen die vielen gleichzeitig angestoßenen Prozesse zu erdrücken drohen. Wir lernen Jonglieren und Bogenschießen, Pferden flüstern und wie man in Gruppen bastelt oder Legosteine zu Prototypen zusammensetzt. Spass soll es machen und so haben wir Freude dabei. Wir lachen miteinander und geben uns Feedback, gehen spazieren und meditieren, tauchen hinein in eine beeindruckende Welt guter Gefühle und neuer Vorsätze. Und doch lernen wir im formellen Rahmen, nur 10% dessen, was wir brauchen, um zu bestehen und erfolgreich durch das Leben, die Arbeit und den Alltag, zu gehen. Und je älter wir werden, desto geringer wird die Bereitschaft Neues an- und überzunehmen. Wir lassen uns beeindrucken aber vergessen auch ganz schnell wieder. Außerdem fallen wir widerstandslos in die gewohnten Muster zurück, bewegen uns weiter mit großer Sicherheit in dem vertrauten Milieu und verkehren mit den uns lieben Leuten. Abenteuer wird erkauft und gut versichert, damit es rechtzeitig wieder enden kann.

Chefsache! Herr der Lage sein. Kaufen können oder anderen gönnen? 20% durch Feedback und durch Coaching, gute Führung und im Peer-Learning gereift. Unter seinesgleichen. Geiger lernt geigen von Geiger. Lehrling vom Meister. Sohn vom Vater. Junior von Senior. Das Team lernt voneinander und die Führungkraft durch abgucken oder sich Schmücken mit fremder Leistung.  Und was lernen wir dann noch, wenn wir in zunehmend individualisierten Welten und Arbeitsräumen unterwegs sind? Wenn Rückkoppelung virtuell geschieht und wir nicht mehr über mehrere Stunden und Tage hinweg an einer gemeinsamen Sache arbeiten und die gleichen Räumlichkeiten teilen. Wenn wir nicht mehr zusammen Hand anlegen und ein gemeinsames Etwas schaffen und formen. Schreiben wir dann nur noch Algorythmen und lassen uns durch diese ein Feedback geben oder wie schaffen wir dann noch die Retrospektive und reflektieren wahrhaftig, wie das Verhalten der Teammitglieder angepasst werden kann an die Erfordernisse und Erwartungen der Akteure.

Das Menschliche ist wichtiger als Prozesse und Technik. Agilität basiert auf Interaktion. 20% unseres Lernens geschieht in der Interaktion. Lernen kann stimuliert werden durch die Pflege guter Beziehungen und die Förderung eines gemeinsamen Erlebens. Nun nicht gleich wieder an Kaffeekränzchen denken und Small-talk. Es geht nicht um Wohlfühl- und Kuschelatmosphäre. Es geht um den kollektiven Geist und das auf ein gemeinsames Ergebnis ausgerichtete Tun. Es geht darum, sich gegenseitig in die Hände zu arbeiten und sich dabei an- und zuzuschauen. Es geht um die gemeinsame Prüfung des Arbeitsergebnisses und um den kritischen Blick auf das Geschaffene. Chefsache ist das vielleicht doch nicht, sondern Empathie. Hoffnung und Vertrauen, Liebe und Anerkennung.

Bleiben 70% echtes Leben. Unverfälscht. Ohne Einwirkung und Manipulation. Ohne Fremdsteuerung und Kolonisation. Freiheit zu tun und Fehler zu machen. Zerstörung und Wiederaufbau, Kränkung und Lust. Euphorie und Frust. Die endlose Wiederholung der Übung, die gnadenlose Leistungssteigerung und Virtuosität, die sich erst einstellt nach intensivem Training. Chefsache. Antrieb. Akkordarbeit. Stundenlohn. Erbarmungsloses Elend der Massen, die keine Wahl haben und scheffeln müssen. Mord und Diebstahl, List und Logik. Nur sich selbst überlassen und die Kontrolle über den Geist und den Körper verteidigt. Die Fähigkeit mit möglichst wenig Aufwand aus den eigenen Talenten das Größtmögliche zu machen. Für die Sache einstehen. Den Überzeugungen treu, den Freunden zu Diensten, der Liebe verpflichtet. Fürs Geld gearbeitet, das Korn gedroschen. Der eigene Herr sein. Chefsache. Jeder lernt für sich selbst: Ob angewiesen, im Kollektiv oder durch Übung. Autoritäre Regime beschränken das Lernen, dirigieren es in vorbestimmte Richtungen. Das ist eine Behinderung und Verschwendung wertvoller Ressourcen. Aber ich weigere mich nicht, zu lernen. So lange ich Chef bin meiner Sache.

WISSEN IST MACHT – MACHT NICHTS

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