Klimakampf

Was soll ich denn nun glauben? Sind Arbeitsplätze schuld an der schlechten Luft? Gibt es Wachstum ohne Untergang? Habe ich das Leben der Kinder zerstört? Sind Politiker* verantwortlich für die CO2 Emissionen? Ist die Stoffwindel ökologisch und die Pampers nur bequem? Muss ich vom Urlaub oder gleich auch von der Arbeit lassen? Hat uns das Klima den Kampf angesagt und wird wer die globale Erhitzung überleben? Haben wir eine Wahl oder gilt TINA? Wie furchtbar klingt das Klagelied zum Weltuntergang. Wie hübsch nett dagegen Bienchen summt.  Wie liebevoll wir Fähnchen schwingen und der Wandel durch die Straßen klingt. Zur Hoffnung berufen. In der Gruppe ist Wandel ganz angenehm. Gemeinsam durch die Strassen ziehen bei Sonnenschein. Klimastreik am Freitag für die Welt von morgen und die Entlastung unseres ökologischen Gewissens. An alle gerichtet, die zu wenig fürs Klima tun auch und vor allem die mittelängstlichen Mitteleuropäer. Mit der erforderlichen Emotionalisierung der Klimadebatte: SUV=böse! Fliegen=Igitt! Regenwald=Yeah! Das Oktoberfest in München ist eine CO2 Schleuder. Rhein in Flammen produziert Feinstaub. Lassen wir mal den täglichen Fußball und die Formel I außen vor und die ganzen Massenveranstaltungen unserer Spass-Ökonomie. Wenn wir den Stromverbrauch unserer Informations- und Kommunikationstechnik mit enem Heimtrainer selbständig erstampeln wollten, müssten alle 7 Milliarden Menschen 24 Stunden rund um die Uhr in die Pedale treten. Critical Mass ist ein Scheißdreck dagegen. Mit 9 Tonnen CO2 pro Kopf liegt Deutschland auf dem Rang 29 der dreckigsten Länder. Historisch betrachtet verantwortet Deutschland 4 Prozent des Untergangs-Problems. Steig doch aus! Kohle Stopp jetzt! Ist doch, ehrlich, so einfach gesagt wie blöd. Pro Kopf wie auch absolut liegt Deutschland mit seinen Emissionen deutlich über dem Durchschnitt der EU. Weil Deutschland reich ist. Weil Deutschland Fleisch isst. Immer wer reich ist. Wer reich ist emmittiert mehr. Isst mehr. Eingeschweiste Biogurke aus Marokko. Reist mehr. Rundreise Indonesien. Kauft mehr. Früchtejoghurt und Lieferando.de. Hat mehr Wohnfläche. Neue Wohngebiete werden erschlossen. Ist mobiler. Elektromobilität nimmt zu. Setzt den 2. Wohnsitz von der Steuer ab. Braucht mehrere Büros. Eine bessere Ausstattung. Mehr Freizeit. Mehr Spass.

Wir sind nicht auf Kurs. Mit den nachhaltigen Entwicklungszielen wollten die Vereinten Nationen Klimawandel, Armut und Hunger, Ungleichheit und Konflikte bekämpfen. Aber fast nichts ist erreicht. Die Anzahl der Hungernden ist im dritten Jahr in Folge gestiegen. Die Anzahl der Vertriebenen und Geflüchteten hat von 23 Millionen im Jahr 2000 auf gegenwärtig geschätzte 70 Millionen zugenommen. Umweltzerstörung, Artensterben und der Ausstoß von klimaschädlichem CO2 haben weltweit stets zugenommen. Mexiko will seiner gesamten Bevölkerung Zugang zum Internet verschaffen auch bis in den letzten Zipfel des Landes hinein. „Grünes Wachstum“ versprechen und streben sie an, die großen Nationen und vorneweg die Länder Europas. Google ist nicht alleine schuld. 33 Millionen Tonnen CO2-Emissionen entstehen jährlich nur durch das Internet und internetfähige Geräte. Das entspricht den Emissionen des innerdeutschen Flugverkehrs. Natürlich können wir Fairphones kaufen, über Ecosia im Internet surfen und über Apps unsere Kleidung und unser Essen teilen. Das Kernproblem bleibt: Unser Planet wird die Massen an Daten, die durch das Internet produziert werden, irgendwann nicht mehr tragen können. Die Flucht nach vorn: Auf K2-18b werden Grundstücke angeboten. Thomas Cook ist aus dem Tourismusmarkt ausgestiegen.

Die Bewegung ist hauptsächlich weiß, akademisch, urban, privilegiert. Darüber muss sich niemand grämen. Diesen Befund teilt die Bewegung mit fast allen sozialen Bewegungen. Und sicher nicht nur in Deutschland. Politisch aktiv sein, das muss sich eine erst mal leisten können. Zwei Wochen mit dem Schiff übers mehr segeln. Privatschule besuchen. Forsthof Kneese im Biosphärenreservat am Schaalsee. Veggie Hotels. Aktivismus, der aus der Verbundenheit geboren ist und uns nährt. Droht uns der Ökoterrorismus? Greta Thunberg will, dass wir in Panik geraten. „Mehr als potentielle Terroristen fürchte ich die Regierung im Weißen Haus“ (T.C. Boyle). Nicht der Russe, nicht der schwarze Konkurrent, sondern der Kapitalismus ist schuld. Macht kaputt was euch kaputt macht. „Die Lust an der Zerstörung ist zugleich eine schaffende Lust“ (Max Nettlau, Michail Bakunin). Gerne würde ich mit euch demonstrieren, aber ich kann es nicht. Ich würde gerne „Junggebliebene weiße Männer for Future“ gründen, aber ich kann es nicht. Wir stehen nämlich vor der Grundsatzentscheidung, ob wir weiterhin das gute Gewissen einer falschen Lebensweise sein wollen oder aber den fundamentalen Umbau dieser Gesellschaft meistern. Klimawandel und Patriarchat gehen Hand in Hand. Rambo Last Blood bringt Rassismus und Selbstmitleid ins Kino, die toxische Männlichkeit im Rentenalter. In einer gefrorenen, befangenen Welt gibt es aber auch für Helden keine Erlösung. Den Konflikt gilt es auszuhalten. Auseinandersetzungen sind zu erwarten. Der Streik wird nur der Anfang sein. Andere werden den Konflikt zu radikalisieren verstehen. Die Gewalt wird hysterisch. Gewaltfreie Kommunikation funktioniert gut bei Kerzenlicht und im behüteten Biotop. Doch lass uns das mal auf der Straße versuchen. Ob Mann oder Frau. Auch ohne Trump, Stalone und Putin. Im Moment sind wir auf einem Kurs von drei bis vier Grad Celsius globale Erwärmung. Unser Wissen scheinen wir zu verlieren im Virtuellen. Unsere Handlungsfähigkeit fällt. Wo und wann begegnen sich die Kontrahenten. Drei Tage nach dem Gipfel: China weiht den weltweit größten Flughafen ein. Nach nur vier Jahren Bauzeit.

Der Krieg ist angestoßen. Die Flucht geht nach vorn. Wir geben uns Mühe den Feind zu verstehen, damit wir ihn besser überlisten können. In welchem Kleid kommt er aber daher? Friedrich August von Hayek lebt nicht mehr. Aber die in seinem Namen gegründete Gesellschaft wirkt weiter, ganz im Geiste der Freiheit und des Adels, der Besitzenden und der gehobenen Klassen. Ahriman der Böse Dämon schreitet durch das Land. Das Böse führt ein glückliches Leben derweil das Gute zum unglücklichen Opfer wird. Fridays for Hubraum wird gegründet und nach nur wenigen Tagen lockt die Facebook-Gruppe 400.000 Mitglieder an. Habe ich mit meinem Blog nicht zu befürchten. „Alle die langsam den Klimaquatsch über haben sind gerne gesehen“. Klimaneurosen sind an der Tür abzugeben. Da schauen und streben wir doch besser nach vorn. Überqueren Grenzen und suchen Zuflucht. Wo ist das Land, wo nicht die Dummen in der Mehrzahl sind? Das Ziel, Gleichheit zwischen den Geschlechtern herzustellen, hat bislang keiner der Staaten, die sich zur Transformation unserer Welt: Die Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung bekennen, erreicht. Ohne dieses Zwischenziel erreicht zu haben werden aber auch alle anderen Ziele verfehlt – warum? Weil Karen Horn mit ihrer Abgrenzung gegenüber rechtem und rechtsnationalem Gedankengut eben die Lage besser erkannt hat als die Männergesellschaft. Weil Angela Merkel eben Konflikte besser deeskaliert. Weil sie sich darum sorgen, dass Vorurteile und üble Nachrede  gegen Demokratie, Feminismus, Pluralität, Homosexualität und Atheismus überhand nehmen.

Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin. Bei Frauen sorge ich mich weniger darum, dass sie den Aufruf nicht verstehen und einfach zuhause bleiben. Aber Männer, oder klammern wir das Geschlecht einfach mal aus, nennen wir es das Prinzip „Maskulinität“, das sich in großer Häufigkeit bei Männern aber durchaus auch bei Frauen wiederfindet, mögen einfach das Donnern von Maschinen, feuern von Gewehren, Brand setzen, wollen gerne hoch hinaus und Ehre, lieben Medaillen und geschwollene Brüste, fahren schneller, fliegen höher, blicken weiter. Ein Krieg ohne Männer wäre kurz und viel stiller. Nicht dem Geschlecht, der Maskulinität ist das geschuldet. Femininität wird suspekt, wenn Care zum kategorischen, moralischen Imperativ wird. Wenn der moralische Eifer, die sektenhafte Gewissheit, die humorfreie Klarheit, für die richtige Sache zu kämpfen, zum Kreuzzug aufruft. Da holt auch gewaltfrei intendierte Kommunikation zum Schlag aus und der Getroffene sinkt zu Boden.  Das Zeitalter des wissenschaftlichen Rassismus beginnt analog zum transatlantischen Sklavenhandel und es liefert eine rationale Begründung für diese Brutalität. Wenn wir auf den Klimawandel reagieren wollen, indem wir Festungen aus unseren Grenzen machen, dann werden die Theorien von damals zurückkehren, die so etwas rechtfertigen und Hierarchien zwischen Menschen schaffen. Es gibt die guten und die schlechten Migrant*innen, die Arbeitswilligen und die Qualifizierten, die Verbrecher*innen und die Geschundenen. Es gibt Frauen und Männer, Schwule und Lesben, Marxisten und Konsumenten. Ein Leben im Frieden zu führen ist eine Sache, nicht verschlungen von Fluten und vertrieben von Bränden, gejagt von Stürmen eine andere. Wenn aber beides zusammenkommt und wir von Klimakrieg anfangen zu reden, dann kann es schwer werden eine Zuflucht zu finden. Im Kampf an den Fronten der Klimadebatte gibt es Fahnen hinter denen ich nicht stehen will. Und manche Akteure bin ich nicht bereit zu Feinden zu erklären. Die Suche nach Wegen in eine Zukunft der Menschheit gelingt nur über den gleichberechtigten Dialog, einer Streitkultur der klaren Worte ohne moralischen Imperativ und mit einer stärkeren Beteiligung von Frauen (TATA). In den Schaltstellen der Macht, in den Konzernen und Aufsichtsräten. Männer, übt euch im Schweigen.

 

 

 

 

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